Heile Welt: Roman (German Edition)

Heile Welt: Roman (German Edition)

Walter Kempowski

Language: German

Pages: 480

ISBN: B004XE78ZE

Format: PDF / Kindle (mobi) / ePub


Ein kleines Heidedorf in den 60er Jahren:

Matthias Jänicke, Lehrer und nicht mehr ganz jung, tritt seine erste Stelle an. Das gemächliche Landleben behagt ihm durchaus. Idyllische Impressionen lassen ihn, zumindest eine Zeitlang, an eine heile Welt glauben. Doch der schöne Schein trügt. Schon bald muß er erkennen, daß fast jeder Dorfbewohner etwas zu verbergen hat. Mißgunst und kleine Skandale sind an der Tagesordnung, werden jedoch vor dem Fremden sorgfältig verborgen. Der dörfliche Mikrokosmos widersetzt sich allen Versuchen des Lehrers, in dessen Inneres vorzudringen. So bleibt er der geduldete Beobachter, dessen Alltag zwischen zufälligen Liebeleien, Schulstunden und gelegentlichen Jagdausflügen verrinnt.
Dabei käme es für ihn jetzt wirklich darauf an: Es ist bereits sein dritter Anlauf, eine bürgerliche Existenz zu gründen...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

keine Ahnung. Matthias lehnte das Rad an einen Baum: Dies war also ein Moor. Er tastete mit dem Fuß vor. Die Grasinsel würde vielleicht tragen, aber vielleicht auch nicht. Wieso sollte er es ausprobieren, ob’s trägt oder nicht, es gab ja festes Land genug hier. Eigenartig, daß man so was nicht einzäunte. Das Glumm. Ob es hier Fische gab? Wohl kaum. Hier war alles tot: höchstens Wasserflöhe... Oder Frösche. Und natürlich Mücken. Fische kannte Matthias auch nicht, aber so was würde man sich

dann in der aus hoher Nasenwurzel entspringenden graden oder nach außen gebogenen Nase, endlich in dem betonten Kinn. Die Weichteile unterstützen den Ausdruck eines klar gezeichneten Gesichts.» Mit krächzender Stimme machte sich der Mann bekannt mit Matthias. Er wollte wissen, was sein Vater von Beruf gewesen sei, Beamter?, bei der Stadt?, im Krieg gefallen? Und dann begann er ohne weiteres mit seiner eigenen Lebensgeschichte, und er brachte sie in einem unverständlichen Platt vor, Matthias

Spitz erwartete ihn vor dem Haus, schniefend gab er ihm das Geleit, und Carla wartete am Fenster, saß am Fenster und guckte auf die Straße. Sah sie denn auf die Armbanduhr? Kurz nach sieben – eine merkwürdige Zeit. Zu Hause hatte Matthias noch lange mit dem starken Tee und den Butterkeksen zu kämpfen. Unruhig strich er durch das leere Haus. Die kahlen Wände und nackten Glühbirnen unter der Decke: der Unterschied zum Kallroy-Haus war gar zu groß. Aber – er hatte keine alte Tante, die er unter

die Klippen zum zweiten Examen lotsen, bis jetzt war ihm das noch immer geglückt. So mancher Junglehrer war durch seine Hände gegangen. Rektor war er dabei nicht geworden, das lag wohl daran, daß er sich im Lehrerverein zu sehr engagierte, also Bus-Mißstände zur Sprache brachte und Besoldungsmeckereien – so was hatte die Schulbehörde nicht gern. Er rief die beiden Neuen heran, den rötlichen Stichnoth und Matthias, der sich wohl mal die Haare kämmen müßte. Ob sie auch die schöne Natur sähen, wie

Tür stellen, dann guckte er in die Sonne. Die Jungen bekamen einen Fußball, liefen also in der Ferne hinter dem Ball her, und die Mädchen spielten Gummitwist in seiner Nähe, was ein wenig an Kulturfilme von Negertänzen in einem Kraal erinnerte, dies rhythmische Trampsen und Hüpfen: Das war Afrika.«Afrika wartet», in dem Buch war so was abgebildet. Die Frauen beim Hirsestampfen vor den Rundhütten, kleine Kinder im Tragetuch auf dem Rücken. Hinni wollte das auch mal: Seilspringen, und alle zählten

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